Die historischen Jahresexkursionen der OG Stadt Bern erfordern Durchhaltevermögen. Die Fahrt von Bern nach Wildegg (AG) im historischen FBW-Car der Firma Dysli war gemütlich. Dann waren die Füsse gefordert auf dem Rundgang im Militärmuseum Wildegg, MMW, doch die militärische Mahlzeit sorgte für Erholung und die Stimmung war den ganzen Tag über bestens. Der Organisator war Vorstandsmitglied Oberst Markus Brunner. Sowohl Umfang als auch Top-Zustand der Sammlung, inkl. viel Kleinmaterial und Unerwartetem, wie ein Pistenfahrzeug für schwieriges Gelände, erstaunten und erfreuten alle. Das MMW präsentiert die materielle Seite der Geschichte der Schweizer Armee von 1945-2000 in mustergültiger Form.
Der Dysli-Chauffeur Richard Aebi ist pensioniert und hilft ab und zu freudig aus. So kann er wieder einmal eine Gesellschaft fahren, die das nostalgische Fahrzeug zu schätzen weiss. Wegen vier Absagen war die Gruppe der OG Stadt Bern kleiner als geplant, was schade war, aber der Freude keinen Abbruch tat. Peter Fischer ist der Besitzer der eigens zu Museumszwecken erbauten Hallen, die zu einem aussergewöhnlichen Museum geworden sind. Alle seine Mitarbeitenden arbeiten in ihrer Freizeit. Sie sind ein eingespieltes und engagiertes Team. Gegründet wurde das MMW von lokalen Militärhistorikern.
Nach der Einführung bei Kafi/Gipfeli durch Peter Fischer machten sich die Mitglieder OGB in drei Gruppen auf den Weg. Rasch vergass man die Umwelt und die Hitze draussen. Ein umfangreicher Anteil bildet die persönliche Sammlung von Oberst Samuel Heuer (ⴕ). Er hatte seine eigene Sammlung in Gebäuden der Kiesgrube Petinesca, seine eigene Firma, nach und nach aufgebaut, und sie war bisher nur Freunden zugänglich. Samuel hat seine Sammlung dem Verkehrshaus Luzern vermacht. Dieses leidet unter Platzmangel. Zur Sammlung MMW passt alles ideal, und so gelangten Flugzeuge, Fahrzeuge und Geräte nach Wildegg. Seine Sammlung ist im MMW integriert. Samuel war besonders stolz darauf, dass seine Fahrzeuge und Flugzeuge noch fahren und fliegen.
Die meisten Fahrzeuge im MMW sind betriebsfähig und werden nach Möglichkeit ein Mal pro Jahr bewegt, was sehr aufwändig ist. Einerseits aus Platzgründen und andererseits gibt es immer weniger Pänzeler oder Motorwägeler, die diese alten Panzer und Fahrzeuge noch fahren können. Die deutlichen Spuren am Boden zeugen von diesen Fahrten. Wir sind eine Milizarmee von Spezialisten. Eine weitere Spezialsammlung «D-Day» (6. Juni 1944) ist mit Fahrzeugen der West-Alliierten bestückt, vor allem aus den USA. Die Besucher blieben fasziniert stehen. Allein der Vergleich des Army-Motorrades mit den Motorrädern der Schweizer Militärpolizei aus verschiedenen Jahrzehnten vom alten Knattertöff bis zum neusten Modell beeindruckte sehr. Jedes Exponat ist einheitlich mit detaillierten Informationen versehen. Es gab mobile Werkstätten zu sehen, für Motorfahrzeuge, Tankstelle, Chemielabor. Die eigene Werkstätte des Museums durfte ebenfalls besichtigt werden.
Man staunt, wie stabil und stark die hölzernen Deckenbalken der Hallen gebaut sind. Alle diese Propeller-Flugzeuge bis zu Venom, Vampire, Hunter und Mirage III und dem Neuzugang Dewoitine D-26, sind nicht aus Balsaholz und wiegen auch ohne Munition und Ausrüstung schwer. Aber sie hängen sicher da über den Fahrzeugen. Dies zeigt die Wichtigkeit des Zusammenwirkens von Bodentruppen und Luftwaffe. Auch die Genietruppen mit Sappeuren, Pontonieren oder Wasserfahrern, die Wässrigen, sind vertreten, sogar ein Scharfschützenboot ist ausgestellt.
Die Ausstellung ist liebevoll, mit Herzblut und handwerklichem Können bis ins Detail gestaltet. Man kann über die Modepuppen mit ihren bleichen Visagen streiten. Keine richtigen Soldaten. Sie tragen aber eine Auswahl von Uniformen, Tarnanzügen, Spezialanzügen, und sie sitzen, fahren, zielen, schiessen, laden, richten, funken, kochen, heilen, reparieren, durch alle Truppengattungen hindurch. Wo immer ein Besucher seinen Militärdienst geleistet hat, er wird seine Truppengattung finden. Selbst jüngere Besucher erklären ihren Kindern, wie sie da im Schützenpanzer sassen. Oder wie man als Funkerpionier Leitungen und Verbindungen gelegt hat und jeder konnte noch flink morsen. Kaum ein kleiner Besucher weiss mehr, wie früher ein Telefon aussah, geschweige denn ein Feldtelefon, das der Grossätti auf dem Rücken trug.
Die Gruppe OGB umfasste ein interessiertes Publikum und aus Betrachten, Fragen und Antworten entstanden lebhafte Gespräche. Natürlich ist es auch für Museumsführer viel spannender, wenn ihre Arbeit gewürdigt wird. Trotz ganz anderer ziviler Berufe sind sie militärische Fachspezialisten. Sie kennen das MMW bis zum letzten Schräubchen in- und auswendig und immer wieder spürten wir die Überzeugung. Selbst Offiziere staunten, was wir einst alles in dieser Armee hatten, welche Materialien da in inländischer Produktion und oft in Heimarbeit verarbeitet worden waren. Was geplant, evaluiert und schliesslich beschafft worden war. Und ja, was heute alles fehlt. Fast kamen einem die Tränen. Das gab zu lebhaften Diskussionen Anlass. Das reichhaltige Archiv des MMW enthält Betriebsanleitungen, Ersatzteilkataloge, Reglemente, Arbeitshilfen und natürlich auch viele Fotos und Fachbücher.
Der Umfang der Sammlung ist immens. In der Ausstellung über mehr als 5‘000m2 ist unglaublich viel zu sehen. Da steckt eine Riesenarbeit von Idealisten dahinter. Doch Ausmärsche machen Hunger. So trafen wir nach der Führung wieder beim nostalgischen Beizli ein. Markus Brunner bedankte sich für die kompetente Führung mit kleinen Gaben. Der Applaus für Peter Fischer und seine vier Mitstreiter (drei Führer und ein Kü Chef) war verdient. Nun ging’s zum habere und das schlichte Essen mit Militärkäseschnitte, Schweinswürstli, Salat mit knusprigem, dunklem Brot, und Crèmeschnitte sättigte alle. Die Rückfahrt über Landstrassen durch den Sommertag von Wildegg über Aarburg, Aarwangen, Solothurn, Münchenbuchsee nach Bern-Wankdorf zurück schloss die diesjährige Exkursion ab. Man war sich einig: Der Besuch des MMW lohnt sich auf jeden Fall, es ist einzigartig.
Four aD Ursula Bonetti
