Kurzfristig musste für das Referat Ende Mai 2019 von Br Raynald Droz, Stabschef Kdo Operationen, und Oberst i Gst Ludovic Monnerat, ein anderer Vortragsraum bezogen werden. Kurzerhand wurden die 53 Mitglieder und Gäste der OG Stadt Bern vom Präsidenten und seinem Vorstand freundlich über die Strasse geleitet, vom Restaurant zum Äusseren Stand in die Französische Kirche. Trotz dem „vorbehaltenen Entschluss“ war die Stimmung unter den Anwesenden ungebrochen positiv.


Das Thema des Abends hiess „Das Kdo Op: Operationssphärenübergreifende Planung und Führung des Kdo Operation“. Die Sphäre Weltraum wurde von Oberst i Gst Ludovic Monnerat speziell präsentiert. Die Ziele dieses hoch anspruchsvollen Vortragsabends waren: Die Aufgaben des Kdo Op als Verantwortlicher für die Integration und der Kumulation von Operationssphären zu skizzieren und die Rolle und Besonderheiten der entsprechenden Operationssphären zu erklären. In der Streitkräfteentwicklung spricht man vom Modellansatz der Operationssphäre. Der eher trockene Begriff beinhaltet Operationsräume in oder aus welchen Streitkräfte Wirkung erzielen sowie auch die Doktrin, die Planung oder die diesbezügliche Information. Unter Operationssphären versteht man Boden, Wasser, Luft, Weltraum, Cyberraum, Elektromagnetischer Raum. Die gezeigten Folien mit Fotos und Grafiken erklärten dies alles noch genauer.

Die Prinzipskizze Boden zeigte die Übersicht und definierte Schützen, Kämpfen, Helfen, was wohl allen Zuhörern bekannt war. Die Wichtigkeit der Operationssphäre Boden bleibt hoch. Die Veränderung des Wirkungsraums als Ganzes (Umfeld, Akteure) ist aber klein, insbesondere bei den Streitkräften. Die Bedrohung hingegen kennt eine schnelle Entwicklung mit der Vernetzung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren. Dies führt zu einem hybriden Ansatz. Früher waren die Akteure besser identifizierbar und die Rollenverteilung im Sicherheitsverbund war klar. Diese überlagert sich jetzt mehr und mehr indem die Polizei bewaffnet ist und die Armee auch Polizeieinsätze leistet. Damit gelangte Br Droz zum Begriff der Hybriden Bedrohung, die sehr vielseitig sein kann und wiederum alle Sphären umfassen kann.

In der Operationssphäre Luft finden wichtige dynamische, zeitlich und örtlich begrenzte Aktionen statt. Deshalb muss der Luftraum für den Verkehr funktionell bleiben. Die Wahrung der Lufthoheit ist eine primäre Aufgabe der Armee. Die Luftverteidigung hat primär zum Ziel, dem Gegner die Luftüberlegenheit über die Schweiz zu verunmöglichen. Der Referent ging kurz auf die in den Medien erwähnten „Alternativen“ für das neue Kampfflugzeug (NKF) ein und legte dar, warum diese sog. Alternativen nicht brauchbar sind.

Für die meisten Anwesenden eher Neuland war nun die Operationssphäre Weltraum, die von Oberst i Gst Ludovic Monnerat zunächst mit einer Übersicht präsentiert wurde. Die Wichtigkeit der Operationssphäre Weltraum steigt. Die Veränderung der Fähigkeiten im Weltraum ist so rasant und tief, dass eine Revolution in diesem Bereich stattfindet. Die Massenproduktion von Plattformen im Orbit und von Trägern führt einerseits zu einer Multiplikation der Anzahl Satelliten und andererseits zu einer Multiplikation der Leistungen, die erbracht werden können. Im Informationsraum findet eine permanente Auseinandersetzung von Botschaften und Meinungen statt. Beeinflusst werden diese auch durch Wahrnehmung aller Tätigkeiten in den anderen Wirkungsräumen.

Der Referent ging speziell auf den Begriff Inforaum ein: Die Elemente, die Entwicklung und die Wirkungen im Informationsraum. Was heisst das nun für die Schweizer Armee? Die Armee nutzt den Informationsraum im Rahmen politischer Vorgaben und gemäss den geltenden rechtlichen Vorschriften zur Erfüllung des militärischen Auftrages: zur Unterstützung, zum Schutz und zur Intervention. Der Vortrag wurde immer spannender: Die Operationssphäre Elektromagnetischer Raum und die Leistungen der Elektronischen Kriegführung (EKF) in diesem Raum. Und schliesslich die Operationssphäre Cyberraum. Hier werden Daten (digital) erfasst, gespeichert, übertragen, verarbeitet, geordnet, kodiert, dargestellt und in physische Aktionen umgewandelt. Der Cyber-Raum muss funktionell bleiben für die Gesellschaft sowie für die Armee. Es folgte die Zusammenfassung des Ganzen, die Kumulation der Effekte, die Operationsplanung für mögliche Aktionen.

Ein Ausblick fasste zusammen:

  • Das Kommando Operationen stellt sicher, dass alle Op Sphären in der Aktionsplanung, in der Aktionsführung sowie analog in der Streitkräfteentwicklung berücksichtigt und ausgenutzt werden.
  • Wir bauen konsequent unsere Kompetenzen um, bzw. auf, damit keine Lücke im Operationsraum entsteht, und damit die kumulative Wirkung aller Aktionen und Leistungen das Kampf- und Schutzpotential der Armee erhöht.
  • Dieser operationssphärenübergreifende Ansatz ist aber nicht mit einer Zentralisierung zu vermischen. In Zukunft wird diese Kumulation der Effekte auch dezentral, ebenfalls auf taktischer Ebene, gestaltett.

Der Präsident, Oberstlt i Gst Matthias Spycher, dankte den beiden Referenten herzlich. Der grosse Applaus honorierte die Wichtigkeit und die vorzügliche Präsentation des Gehörten. Während dem Apéro wurde fleissig weiter diskutiert mit den noch anwesenden Referenten, Br Raynald Droz und Oberst i Gst Ludovic Monnerat.

Dem von Werner Rothen offerierten reichhaltigen Apéro wurde ohne Bedenken freudig zugesprochen. Es gab Kartoffelsalat und Schüblig, und das in einer (ehemals) Hugenotten-Kirche. Es fehlte nur noch der Reformator und Leutpriester Huldrych Zwingli als Gast bei diesem Wurstessen. Auch in einer Kirche schmeckt es vorzüglich, eine besondere Sphäre.

Four aD Ursula Bonetti

 

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