Herausforderungen bei der Beschaffung neuer Mittel für den Schutz des Luftraums

Divisionär Claude Meier ist Chef Armeestab, ehemaliger Kampfjet-Pilot, war Staffelkommandant einer F/A-18 Staffel und Leader des PC-7-Teams. Ausserdem war er leitender Autor des Berichts "Zukunft der Luftverteidigung". Er kennt das Thema Schutz des Luftraumes also in- und auswendig. Im Januar 2020 folgten 68 Personen der Einladung der OG Stadt Bern und wurden von Vizepräsident Oberst i Gst Frieder Fallscheer zum Referat begrüsst.

"Das Programm Air2030 ist wie ein Marathon, und wir sind noch lange nicht am Ziel," so eröffnete Div Meier seinen Vortrag. Ziel des Programms sei der Schutz der Bevölkerung gegen Bedrohungen aus der Luft – auch nach 2030 und damit nach dem Ende der Nutzungsdauer der F/A-18.

Dabei richtet sich die Armee am veränderten Bedrohungsumfeld aus: In seinem Buch "Vom Kriege" schreibt schon Carl von Clausewitz: "Der Krieg ist also (…) ein wahres Chamäleon, weil er in jedem konkreten Falle seine Natur etwas ändert…" Heute gilt dies erst recht. Wir haben es mit zunehmender Vielfalt, Komplexität, Interaktionen zu tun. Zudem mit zunehmender bzw. wiedererstarkender Machtpolitik und Multipolarität. Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung bietet zwar viele Chancen, aber auch neue Risiken. Der sicherheitspolitische Kontext ändert sich stetig.

Das Wieder-Erstarken der Machtpolitik zeigt sich unter anderem in den grossangelegten Übungen der NATO, aber auch Russlands und Chinas. Terrorismus ist ein Thema, vor dem sich auch die Schweiz nicht mehr verschliessen kann. Zusätzlich zur hybriden Bedrohung kommt die Cyber-Bedrohung. Im Cyberraum wird sowohl Machtpolitik betrieben wie auch Kriminalität und Terrorismus. Diese Bedrohung ist nicht "an Stelle von", sie kommt hinzu in den Sphären Boden, Luft, See. Die Rüstungsbestrebungen nehmen weltweit zu. Die Anzahl moderner Flugzeuge weltweit und in Europa ist beträchtlich – in Europa sind es über 3000 Kampflugzeuge – und steigt stetig, genauso wie auch die Fähigkeiten, diese Flugzeuge einzusetzen. Dies führt die dringende Notwendigkeit der Beschaffung neuer Mittel für den Schutz der Bevölkerung gegen Bedrohungen aus dem Luftraum auch in unserer Armee sehr deutlich vor Augen.
Deswegen geht es mit dem Programm Air2030 darum, den Schutz gegen Bedrohungen aus dem Luftraum für die nächsten 30-40 Jahre sicherzustellen. Ab den 2025er Jahren erreichen auch diverse Hauptsysteme der Bodentruppen ihr Nutzungsende. Es geht also darum, mit den verfügbaren finanziellen Mitteln, die Fähigkeiten zu beschaffen, welche wir weiter benötigen. Dazu geben zwei ausführliche Expertenberichte Auskunft, einerseits "Luftverteidigung der Zukunft" und andererseits die "Zukunft der Bodentruppen". Die Berichte sind überaus anschaulich abgefasst, mit vielen Illustrationen und online verfügbar. Die Lektüre lohnt sich, vor allem für die Meinungsbildung im Hinblick auf kommende Abstimmungen. (www.vbs.ch/air2030)

Nebst den Mitteln der Luftwaffe stehen auch Hauptsysteme des Heers vor dem Nutzungsende. Wie will man die drohenden Lücken schliessen? Für das Programm Air2030 sollen von 2022-2032 acht Mia investiert werden. Die Finanzierung von Air2030 erfolgt über das ordentliche Budget der Armee und benötigt keine Sonderfinanzierung. Damit kann der Schutz des Luftraums und damit der Schweizer Bevölkerung gesichert werden. Durch die weitere Planung zur Streitkräfteentwicklung sollen die Fähigkeiten für die Bodentruppen und die übrigen Teile der Armee erhalten oder entwickelt werden. Dazu gehört die langfristige Investitionsplanung in drei Phasen. Die erwähnten Expertenberichte gehören zur Strategie der längerfristigen Ausrichtung der Armee. Diese bildet den Hauptteil des Referates und Div Meier geht ins Detail Air2030, die integrierte Luftverteidigung. Er zitiert dabei Frederick Benjamin Hodges: „Wenn man seinen eigenen Luftraum nicht schützen kann, dann werden andere ihn nutzen. Das war schon immer so.“ Dies sollte alle Zweifler am Programm Air2030 von der dringenden Notwendigkeit der Beschaffungen überzeugen.
Claude Meier erklärt überzeugend. In Bezug auf die politischen Herausforderungen zitiert er Sir Sydney Camm, den englischen Flugzeugingenieur: "All modern aircraft have four dimensions: span, length, height and politics". Der politische Fahrplan zu Air2030 rundet den Vortrag ab.

Abschliessend appelliert Div Claude Meier an das Geschichtsbewusstsein und an die bewaffnete Neutralität, welche auch eine Verpflichtung darstellt. Er ruft die Versammelten auf, sich auf dem Laufenden zu halten, mit Wachsamkeit Bedrohungen zu erkennen und sich für den Schutz des Luftraums und damit den Schutz der Bevölkerung einzusetzen.

Das letzte Wort vor dem köstlichen Apéro riche hat General Henri Guisan: „Phantasie (ist) ein eher seltenes Geschenk. Die überwiegende Mehrheit unseres Volkes wird nicht geneigt sein, sich zu fragen (…) ob unser Land bedroht sein könnte – und auch nicht, in welcher Form es bedroht sein könnte. Was wir getan haben, um unser Volk zu alarmieren, um an sein Gewissen und an seine Wachsamkeit zu appellieren, was wir getan haben, wird immer wieder neu getan werden müssen.“ Das sagte der General am Jegenstorf Rapport vom 19. August 1945 und es ist aktueller denn je.
Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

Wir danken Div Claude Meier für diesen hoch interessanten "Flug" zum Programm Air2030.

Four aD Ursula Bonetti
Chefredaktorin

 

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