Wer selber Protokolle schreibt oder viele Protokolle lesen muss, der weiss, wie viel Information darin steckt. Und er weiss auch, wie korrekt sie sein müssen, denn sie gelangen in viele Hände.

Das schmale Bändchen des Herausgebers Werner Adams «Bericht über eine Geschäfte als Regierungs Comissair im Kanton Zürich im Herbstmonat 1802» von Albrecht Friedrich May lässt uns an der Zeit der Helvetischen Republik (1798-1803) teilnehmen.


Heute sind diese Protokolle und Tagebucheinträge des Berners Albrecht Friedrich May für jeden an Historischen Ereignissen Interessierten sehr aufschlussreich. Sie zeigen Zusammenhänge der Zeit auf, als Kaiser Napoleon I. die Schweiz in sein Reich integriert hatte. Heute finden Historiker viele Erklärungen, wie sehr diese Zeit unseren später, 1848, gegründeten Bundesstaat geprägt hat.

Wir blicken in ein Zeitfenster. 1802 steht Zürich zwischen Reform, Rivalitäten und Resilienz. Die helvetische Exekutive interveniert militärisch. Der Canton Zürich steht am Rande eines Bürgerkrieges, die Kanonen donnern.

Der Schweizer Politiker, Sekretär und Diplomat, Albrecht Friedrich May wird nach Zürich geschickt. Über diese Zeit von August bis September 1802 führt er getreulich Tagebuch mit persönlichen Gedanken und Überlegungen zu dieser Zeit. Als Regierungskommissär führt er während zahlreichen Sitzungen – auch zu Unzeiten – Protokoll. Es müssen schon sehr viele solche Sitzungen durchgeführt worden sein, denn die Aufzeichnungen beginnen bei der Munizipalität der Stadt Zürich mit der Drey Hundert Vier und Zwanzigsten Sitzung Mittwochs den 8. September.

Wie in jedem ordentlichen Protokoll werden die Anwesenden in Praesentibus aufgeführt. Hier begegnet der Leser vielen bekannten Zürchern mit Rang und Namen. Dann wird über die aktuelle Lage, Wortmeldungen und Anträge berichtet. Für dieses anspruchsvolle Amt des Kommissärs wurde ein Berner Patrizier gewählt um eine Neutralität zu wahren, die Sicht und Beurteilung von aussen ohne jemanden aus der Zürcher Regierung zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Es gelang ihm, in mühseligen Verhandlungen mit der Munizipalität der Stadt Zürich den Konflikt teilweise zu schlichten.

Der Herausgeber Werner Adams scheute keine Mühe in Archiven interessante Funde zu entdecken und sie Detail getreu dem Leser zugänglich zu machen. Eine spannende Lektüre.

Four a D Ursula Bonetti

Werner Adams, Herausgeber, Albrecht Friedrich May, Bericht über meine Geschäfte als Regierungs Commissair im Kanto Zürich im Herbstmonat 1802, 2025,
ISBN 978-3-9525627-5-8. Erhältlich bei Werner Adams, Stutzstrasse 5, 3114 Wichtrach BE, Schweiz, www.werneradams.ch