Brigadier Alain Vuitel, Chef Militärischer Nachrichtendienst (MND), begrüsste am 15. September 2016 in der Schmidstube rund 55 Mitglieder und Gäste der OGB. Dabei freut sich der in Bern wohnhafte Neuenburger, im Publikum etliche bekannte Gesichter zu sehen.


Der Vortrag beginnt mit einem ausführlichen „Tour d’Horizon“ zum internationalen Kontext. Daraus leitet Br Vuitel in einem zweiten Teil schlüssige Erkenntnisse und Lageentwicklungsmöglichkeiten für das sicherheitsrelevante Umfeld der Schweiz aus Sicht der Armee ab.

Internationaler Kontext: Am Beispiel der Olympischen Spiele von Rio wird die angespannte Lage im Sicherheitsbereich aufgezeigt. Absperrungen und eine allgegenwärtige Präsenz von Sicherheitskräften sind zur Normalität geworden. Es kann ein Trend zur Militarisierung der inneren Sicherheit festgestellt werden, indem Polizei und Militär Seite an Seite im Einsatz stehen.

Als Schlüsselfaktoren im sicherheitsrelevanten Umfeld werden die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und dem Westen im Zuge der Ereignisse in der Ukraine erwähnt. Aber auch die instabile Lage und anhaltenden Konflikte im Umfeld Europas, insbesondere in der MENA-Region (Nord-Afrika und Nahost), prägt derzeit das sicherheitsrelevante Umfeld der Schweiz. Schliesslich wird China zunehmend zum globalen Akteur und baut seinen Einfluss nicht nur wirtschaftlich kontinuierlich aus. Für Europa und die Schweiz sind diese Entwicklungen mit wachsenden Herausforderungen verbunden, welche derzeit insbesondere in der Bewältigung weiterer Migrationsströme, einer erhöhten Terrorbedrohung und der zunehmenden Machtpolitik liegen.

Erkenntnisse: Die Machtpolitik ist aktueller denn je. Durch den Wandel hin zu einer multipolaren Weltordnung nehmen zwischenstaatliche Interessenkonflikte zu. Aber auch nicht-staatliche Akteure gewinnen an Bedeutung. Zur Durchsetzung ihrer Absichten wenden Staaten ein breites Spektrum an Macht- und Gewaltinstrumenten an, welches diese zum Erreichen ihrer strategischen Ziele anwenden. Diese reichen von offenen zivilen, über verdeckte – irreguläre – Handlungen, bis hin zur Androhung und schliesslich Anwendung bewaffneter Gewalt. Anhand von Beispielen zeigt der Referent auf, dass das Spektrum angewandter Macht- und Gewaltinstrumente entsprechend seinem Kontext jedoch variieren kann.

Gleichzeitig kann eine Rückkehr der Geographie festgestellt werden, was ebenfalls anhand von Beispielen visualisiert wird. Diese Erkenntnis gilt sowohl für die aktuelle Migrationsproblematik (Migrationsrouten) als auch für die Errichtung militärischer Verteidigungsdispositive und die Kontrolle von strategischen Passagen und Schlüsselgelände (Russland und China).

Lageentwicklungsmöglichkeiten: Brigadier Vuitel wagt schliesslich einen Ausblick und beschreibt die Lageentwicklungsmöglichkeiten in den Bereichen Machtpolitik, Terror und Migration. Gleichzeitig verweist er auf Gefahrenpotenziale, welche von natur- und technologiebedingten Katastrophen ausgehen und sich jederzeit und ohne Vorwarnzeit ereignen können. Die grösste Herausforderung sieht der Referent in der Kombination von Ereignissen und gegnerischen Handlungen, die gleichzeitig stattfinden oder zu spät respektive gar nicht erkannt werden.

An die Verteidigung werden damit neue umfassendere Herausforderungen gestellt, welche – wie Br Vuitel am Schluss seines Vortrages ausführt - die Weiterentwicklung der Armee berücksichtigt.

Inwieweit die Schweiz im Allgemeinen und die Schweizer Armee im Besonderen über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, den zukünftigen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können, bot genügend Gesprächsstoff für den anschliessenden Apéro, der von der UBS gesponsert wurde.
Four aD Ursula Bonetti

  • No comments found

Leave your comments

Post comment as a guest

0
Besten Dank für Ihren Kommentar.
Der Webmaster wird diesen schnellstmöglich prüfen und anschliessend freischalten.