Die diesjährige militärhistorische Exkursion der OGB führte die – bedauerlicherweise viel zu kleine – Schar Interessierter nach Beatenberg. Am Ende des langgezogenen Dorfes liegt gut versteckt die Artilleriefestung Waldbrand, eine der grössten in der Schweiz. Der pensionierte FWK Mitarbeiter Ueli Feuz empfing die Gruppe mit ihrem Präsidenten Oberstlt i Gst Matthias Spycher, und als Gast Br Paul Kälin. Zügig war man in den Stollen unterwegs. Zu den Geschützständen, Logistikräumen und Schlafräumen wurden Fragen kompetent beantwortet, man spürte den Profi, man fühlte die ungebrochene Liebe zu „seinen“ Werken, denn als Festungswächter war er für das in nächster Nähe liegende Werk Schmocken, verantwortlich.

Das gut getarnte Eingangstor ist riesig, hier fuhren Armeefahrzeuge problemlos hinein und auch wieder hinaus. Die Luken der Beobachtungsposten und der Geschütze sind sehr gut getarnt. Bewundernswert ist die enorme Leistung die notwendig war, eine solche Anlage in den Fels zu planen, zu bauen, einzurichten, zu bewaffnen und zu betreiben.

Das Artilleriewerk Waldbrand ist bogenförmig im Fels eingebaut und trägt dem natürlichen Verlauf der Felsen Rechnung. Baubeginn der Anlage war im März 1941. Es ist also eine moderne Festung aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die Anlage ist insgesamt länger als zwei Kilometer und bot 650 Mann Unterkunft. Im Juni 1942 waren die Zufahrtsstollen sowie vier der sieben Scharten für Waffensysteme soweit ausgebrochen, dass Feuerunterstützung möglich gewesen wäre. Ab da war Munition eingelagert.

Im Februar 1944 erfolgte die Feuerbereitschaft. Doch immer noch wurde gebaut für den Kommandotrakt, die Ess- und Schlafräume der permanenten Besatzung. Es gab auch einen Notausgang. Die Anlage besteht eigentlich aus den zwei Artilleriewerken Waldbrand und Legi. Im vorderen Teil, nach dem Haupteingang, sind fünf Geschütze eingebaut, nach dem Teil der Infrastruktur sind nochmals drei 10,5cm Kanonen L 42, 1935, auf Hebellafetten installiert. Im hinteren Teil der Anlage ist der Zugangsstollen in die rund 90 Meter höher liegende Anlage Legi. Für Fitness der Soldaten war also gesorgt.

Die Waffen waren eingeschossen und hätten eingesetzt werden können. Aus den ausführlichen Beschreibungen und aus vorhandenem Kartenmaterial waren die Wirkungswinkel der Geschütze ersichtlich, sowie die Gegenwerke, die Anlagen auf der anderen Seite des Thunersees. Alles zusammen deckte den Raum grossflächig ab. Da hätte keine deutsche Kavallerie eine Chance gehabt.

Selbst nach dem Krieg wurde 1947 weiter ausgebaut, Westeuropa befand sich im „Kalten Krieg“. In den 60er Jahren erhielt die Anlage den heutigen Umfang, in den 80er Jahren wurde noch eine Nachrüstung im Bereich AC-Schutzinstallationen und Ventilation durchgeführt. Mit der Umsetzung der Armee 95 wurde dieses gewaltige Festungswerk desarmiert und Ende 1998 ausser Dienst gestellt. Ende Feuer.

2007 kaufte Philipp Studer zunächst als Privatperson die Festung Waldbrand. Für ihn ist dies ein wichtiges Stück Kulturgut. Das Festungsmuseum Waldbrand wird von vielen in- und ausländischen Gästen besucht. In den früheren Munitionsstollen ist eine Sammlung von Armeefahrzeugen untergebracht die sehenswert ist. Gut hinter Gitter gesichert kann eine Waffensammlung mit seltenen Stücken bewundert werden. In den Schlafräumen, in den Kommandoräumen ist alles wieder originalgetreu eingerichtet. Da hängen die Uniformen, die Karabiner stehen in den Gewehrrechen, ein Fresspäckli steht halb ausgepackt da, Zeitungen liegen herum. Ein Wunder, dass keine Socken stinken.

Man lebte Wochen lang in den Felsen und die Truppe war autonom. Für Notstrom sorgten drei riesige Dieselmotoren, es war genügend Verpflegung eingelagert und in fünf Tanks zu 1000 Kubikmeter Inhalt war Wasser vorhanden. In den jeweiligen Räumen Feuerleitstelle, Übermittlung, Feldpost, Kommando, Büros sind die notwendigen Geräte und Einrichtungen wieder installiert. Die Sanität verfügte über ihr eigenes Reich mit allem notwendigen Sanitätsmaterial, auch für Notoperationen. Es wirkt, als sei die Truppe wirklich noch hier im Dienst. Es steckt unerhört viel Idealismus darin, mit Geld allein lässt sich so etwas nicht verwirklichen. Es braucht grosse Fachkenntnisse, unzählige Arbeitsstunden und viel Teamarbeit.

Für Gruppen kann nach wie vor in der voll funktionsfähigen Küche gekocht werden. Die Kartoffelschälmaschine, die für so manche RS-Erinnerung sorgt, steht immer noch dort. Keine Fertiggerichte, sondern echte Truppenkost vom Feinsten. Wo sonst gibt es noch selbstgemachte „Knöpfli“ oder richtigen Kartoffelstock? Es war ein Höhepunkt der Exkursion, in den ursprünglichen Räumen der Festung trotz der in den Kleider hängenden Kälte eine feine Mahlzeit mitsamt einer grossen „Merängge“ zu verzehren, inspiriert von der Stimmung tief im Felsen, ganz im Sinne soldatischer Tradition und natürlich in bester Kameradschaft. Die Schutzheilige Barbara wacht in ihrer Nische über allem.

Four aD Ursula Bonetti

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