Das ehrwürdige Schiff „Stadt Luzern" steht unter Dampf. Schon schreiten die geladenen Gäste heran und betreten in bester Laune in Luzern das Dampfschiff, das sie zum Rütli bringen soll: Bundesrat Ueli Maurer, die ganze Armeespitze, weitere Gäste aus Politik und Behörde, Vorstand SOG und Presseleute, der Enkel General Guisans Maurice Decoppet. Obwohl Regenwolken über dem Vierwaldstättersee hängen und ein frischer Wind weht, herrscht an Bord heitere Stimmung. Viele Vertreter der Offiziersgesellschaften aus der ganzen Schweiz sind nach Luzern gereist, darunter auch Vertreter der OGB. Gemeinsam wandern die rund 450 Personen aufs Rütli, wo sie mit frohen Klängen empfangen werden, geboten vom Spiel der Pz Br 1. Wir schreiben den 25. Juli 2015.

Düstere Wolken hingen auch 1940 über der Schweiz. Wolken der Bedrohung, der Angst, der Unsicherheit. Nach der Niederlage Frankreichs im Frühling 1940 war die Schweiz von den Achsenmächten umgeben. Nach einer eher ungeschickten Rede Bundesrats Pilez-Golaz befahl General Henri Guisan seine Stabsoffiziere zu einem Rapport auf das Rütli. Sie fuhren gemeinsam ab Luzern mit dem damals neuen Dampfschiff „Stadt Luzern". Das Rütli als Ort mit grosser Symbolkraft war bewusst gewählt worden. Hier erläuterte der General seinen Offizieren die Idee des Réduitsystems. Er hielt seine Ansprache in freier Rede, erst nachträglich tauchten Notizen dazu auf. Er sprach direkt zu seinen Unterstellten, sprach ihnen Mut zu und betonte die Wichtigkeit des Willens zur Unabhängigkeit und zum Widerstand. In seiner Botschaft zeichnete der General ein klares Bild der Strategie. Man schrieb den 25. Juli 1940.

Die SOG hat keine Arbeit gescheut um mit finanzieller Unterstützung von Sponsoren und unzähligen freiwillig helfenden Händen einen Anlass zu organisieren, der seinesgleichen sucht. Der Gedenkanlass Rütlirapport 2015 war würdig und eindrücklich. Es blieb Zeit zur Pflege der Kameradschaft bei Speis und Trank.

Die vielseitigen Reden befassten sich mit Grussworten, mit dem Mythos Rütli, mit dem ehrenden Andenken an Henri Guisan und seinem Wirken als General während dem Zweiten Weltkrieg, mit historischem Rückblick und aktuellem Vorausblick, sprich WEA, ein Thema das derzeit alle beschäftigt. Die Ansprachen von drei jungen Offizieren setzten einen speziellen Akzent.

Oblt Simon Waldis, OG Schwyz, ist als F/A-18 Pilot im Umschulungskurs. Was ihn beschäftigt, ist das Interesse seines Umfeldes an seinem Beruf und ein gleichzeitiges grosses Mass an Unwissen. Er sucht das Gespräch und es gelingt ihm mit einfachen Beispielen das Verständnis für die hochkomplexe Sache seiner Tätigkeit zu wecken. Für ihn ist eine grundlegende Herausforderung: „Wie erreichen wir die Bevölkerung? Wenn wir sie nicht erreichen, wird die Armee über kurz oder lang zu Tode gespart. Wir müssen vermehrt Basisarbeit leisten. Das Interesse an der Armee ist durchaus vorhanden. General Guisan hat vor 75 Jahren mit seinem Rapport eine Art der Kommunikation gefunden, welche verstanden wurde. Mit diesem symbolträchtigen Anlass legte er den Grundstein für den Fortbestand der unabhängigen Schweiz im Zweiten Weltkrieg. Die heutigen Bedrohungen und Herausforderungen sind vielfältig und anders als damals, die Lösung dafür ist dieselbe: Kommunikation! Denn sie schafft Wille und Vertrauen!"

Lt Edouard Hediger, OG Waadt, hält sein Referat in Französisch, charmant, überzeugend. Aus Platzgründen hier nur seinen Schlusssatz: „La finalité de l'armée n'est pas de nous offrir un réseau professionnel ou de nous donner des vacances un mois par année. Face à ce lac ancestral rappelons-nous ce que nous faisons, et pourquoi nous le faisons. Vive l'armée suisse, vive la Confédération, vive le Général !"

Oblt Michele Bertini, OG Tessin, spricht in der dritten Landessprache Italienisch. Er fügt aber den deutschen Satz, ein Zitat Guisans am Rütlirapport 1940 ein: „Bleiben wir ruhig – stark – einig. Auf diese Art werden wir freie Menschen bleiben." Und der Tessiner schliesst seine überzeugende Rede mit: „Continuiamo dunque sulla strada tracciata, forti et uniti, nel segno den nostro motto nazionale che recita „Uno per tutti, tutti per Uno". Grazie!"

Der Geist des Generals war spürbar dabei. Er wäre auf diese jungen Offiziere und auf den Anlass hier auf dem Rütli stolz gewesen.

Ursula Bonetti


  • No comments found

Leave your comments

Post comment as a guest

0
Besten Dank für Ihren Kommentar.
Der Webmaster wird diesen schnellstmöglich prüfen und anschliessend freischalten.