Die Art Abt 54 absolvierte ihren FDT im Mai 2015 auf dem Simplon. Der Kdt, Oberstlt i Gst Matthias Spycher, lud seine Mitglieder am Tag der Angehörigen zum Truppenbesuch ein. Ein fabelhafter Tag bezüglich Motivation, Einsatz, Wetter, Stimmung, Kameradschaft.

Da die Art Abt 54 zur Inf Br 2 gehört, liess es sich Br Mathias Tüscher nicht nehmen, als Gast anwesend zu sein. „Schliesslich", sagt er, „trage ich als Waadtländer einen Berner Namen, weil meine Vorfahren einst die Waadt besetzt hatten. Heute ist die Zusammenarbeit vorzüglich! Ich bin stolz auf die Berner Einheiten, ganz besonders auf die Art Abt 54, ein Top-Truppenkörper. Er bildet die Brücke über den „Röstigraben"".

 

Grossaufmarsch

Br Tüscher und Oberstlt i Gst Spycher begrüssen die 45 Gäste der OGB zunächst im Simplon Hospiz. Auf der Passhöhe sind die Fahrzeuge und Geräte der Führungsunterstützung FU aufgereiht. Diese sind voll in Betrieb, doch dürfen die Besucher hinein schauen und Fragen stellen die von den AdA kompetent beantwortet werden. Mit grossen Augen verfolgen vor allem die vielen anwesenden Kinder, wie die Wetterballone aufgeblasen werden. Mit einem Sender versehen melden sie Temperatur, Windstärke und Windrichtung an die Bodenstation. Dies sind wichtige Daten für die Feuerleitung, denn das Wetter hat Einfluss auf das verschossene Projektil und damit auf den Treffer. Ganze Generationen tummeln sich auf der Passhöhe und sind begeistert. Die Truppensanitäter verteilen Sonnenschutzcreme. Dennoch gab es verbrannte Nasen: „Aber das war's wert", meint einige Tage später ein älterer Oblt schmunzelnd.

 

Ganz normaler WK-Betrieb

Wie leistungsstark unsere Armee ist, mag dieser Tag beweisen. Für die Art Abt 54 war Ausbildung und Schiessübung im scharfen Schuss vorgesehen, mit 2 Bttr (eine Bttr leistet ihren Dienst im Juni 2015), zu je drei M-109 Kawest. INTAFF ohne Probleme in Betrieb. Nebst dem ganz normalen WK-Betrieb wurde dieser Anlass mit viel zusätzlichem Einsatz organisiert und durchgeführt. WC-Anlage, Verpflegung der angerückten Gäste, ein VIP-Apéro der sich geniessen liess, eine Riesenmenge Kaffe+Gipfeli, Tee sowie „Hörnli und Ghackets", für viele Anwesende ein „Nostalgiemenü".

Die Sanität unter der Leitung des Militärarztes ist jederzeit für den echten Einsatz bereit. Verstärkte Sicherheitsmassnahmen auf den Strassen und im Gelände, denn es liegt noch Schnee und es herrscht ordentlich Durchgangsverkehr auf der Passstrasse. Ausstellung der vorhandenen weiteren Mittel wie Aufklärungsfahrzeug Eagle, Schützenpanzer 2000, Entpannungspanzer, Funkstationen, Feuerleitstelle und San Fahrzeuge. Das Ganze musste dann auch wieder abgebaut und aufgeräumt werden! Grossartige Leistung von Sdt und Kader.

 

Mit Appenzeller Humor

Auf dem Dach des Restaurant Simplon ist Oblt Wetter als Sprecher positioniert. Von hier aus stellt auch Oberstlt i Gst Spycher den Gästen seine Batterie Kommandanten und seinen Stab vor. Er freut sich über die vielen Gäste mitsamt ihren Kindern. Die Armee muss wieder mehr sichtbar sein, Militär zum anfassen für Gross und Klein. Er wird das Handwerk der Artillerie „live" präsentieren und er will hochgesetzte Ziele erreichen. Er verfügt über gute Kader, betont jedoch, „dass ohne Soldaten nichts geht" und stellt den WK unter das Motto „viribus unitis", „Mit vereinten Kräften". Jeder vorgestellte Bttr Kdt scheint eine Fan-Gemeinde zu haben, jedenfalls werden die fröhlichen Rufe aus dem Publikum immer lauter.

Und natürlich wurde geschossen, was das Zeug hielt. In waschechtem Appenzeller Dialekt führt Obtl Wetter mit der Leidenschaft eines Sportkommentators die Besucher durch das Schiessprogramm und spart auch nicht mit interessanten, technischen Angaben über Fahrzeuge und Munition, über Berechnungen und Korrekturen der Schussabgaben.

 

Die Königin der Waffensysteme

Der Simplon bietet in einer wunderbaren Berglandschaft beste Voraussetzungen für Artillerieschiessen. Damit überhaupt geschossen werden kann, muss Munition da sein. Den Besuchern wird eindrücklich vorgeführt, wie der Transportwagen M-548, in der Schweizer Armee „Mun-Schnägg" genannt, ablädt. Immer zwei Panzerhaubitzen M-109 können gleichzeitig aufmunitioniert werden mit Stahlgranaten, Übungsgranaten und Patronen für den Nebelwerfer. Normalerweise fährt der M-548 in die Nähe des Stellungsraumes. Damit die Zuschauer diese Arbeit beobachten können, fährt ausnahmsweise alles auf der Simplonstrasse auf. Unter Feuerschutz wird flink gearbeitet. Die Haubitzen rollen links und rechts neben den Mun-Container, Soldaten leeren die Kästen, die Besatzung nimmt die Geschosse in Empfang. Plane auf dem „Mun-Schnägg" wieder festzurren, aufsitzen, und die Geschütze rasseln davon. Das Ganze dauert keine 10 Minuten. Das geht Ruck-Zuck, auch bei den Bernern.

Die Pz Hb haben ihren Stellungsraum bezogen. Ein Gegner ist erkannt, die Lage beurteilt, es wird ausgerechnet, wann wer schiesst. Der Feuerbefehl wird erteilt. Schon bewegen sich die Rohre in die richtige Position. Um einen gemeinsamen Treffer ins Ziel zu bringen, müssen die drei Kanonen leicht verzögert schiessen, denn sie stehen in verschiedenen Abständen versetzt zueinander. Für einen gemeinsamen Schuss aus zwei verschiedenen Stellungen heraus, also mit 2-3 Batterien zu je sechs Kanonen, müssen die Abstände der Schüsse noch feiner abgestimmt werden, eine grosse Herausforderung für Feuerleitstelle und Besatzung. Wenn der Feuerkampf beendet ist, werfen die Panzerhaubitzen die Nebelpetarden ab und fahren im Schutz des weissen Dunstes in die nächte Feuerstellung oder in den rückwärtigen Raum zum aufmunitionieren.

Mit Donnergrollen landen die Schüsse im Ziel, in den noch schneebedeckten Felsen. Staub wirbelt auf. Geübte Beobachter verfolgen das Geschoss bis ins Ziel. Innerhalb der Serien werden einige Schüsse verzögert abgegeben. Der Beobachter hat im Zielgebiet Tourenskifahrer entdeckt die ohne Bedenken direkt vor die Rohre fahren. Sofortiger Feuerstopp. Nachdem die Schiessübung abgeschlossen ist, sagt der Schiesskommandant: „Ich bin sehr zufrieden. Die Leute haben gut gearbeitet, das Ziel ist erreicht worden. Dass einige Schüsse verzögert abgegeben werden mussten, dafür können die Besatzungen ja nichts." Wohlwollend betrachtet der steinerne Simplonadler auf der Passhöhe die Art Abt 54 und ihre Besucher. Die Heilige Barbara hat sie beschützt.

Ursula Bonetti

  • Bildschirmfoto 2015-05-02 um 17.06.00
  • DSC08139
  • DSC08165
  • DSC08171
  • DSC08177
  • DSC08185
  • DSC08417
  • DSC_0124
  • DSC_0125
  • DSC_0133
  • DSC_0169
  • DSC_0196
  • DSC_0386
  • DSC_0391
  • DSC_0545
  • DSC_0549
  • DSC_0637

 


  • No comments found

Leave your comments

Post comment as a guest

0
Besten Dank für Ihren Kommentar.
Der Webmaster wird diesen schnellstmöglich prüfen und anschliessend freischalten.